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3. April 2025 - Eine Schweizer PrivatsammlungGeschenk des Künstlers an Lisa Kümmel, Wiesbaden
Privatbesitz, Deutschland (durch Erbschaft)
Auktion Christie’s London, 7.10.1999, Los 59
M. Jawlensky, L. Pieroni-Jawlensky und A. Jawlensky, Alexej von Jawlensky, Catalogue raisonné of the oil paintings, 1890–1914, Vol. I, London, 1991, S. 272, Nr. 348, mit Abb.
Korrektur Printkatalog: Das Bild ist nicht unten links, sondern unten rechts signiert.
Alexej von Jawlenskys 1910 gemalte rote Wolke beschreibt den Kulminationspunkt seines Schaffens. Er selbst hat dies in seinen Memoiren wie folgt festgehalten: «Es war in diesen Jahren, bis zum Ausbruch des Krieges 1914, dass ich meine bedeutendsten Werke gemalt habe …» Jawlensky liess sich zu Beginn seiner künstlerischen Karriere – die zunächst mit einer klassischen Ausbildung bei Ilya Repin begann – von verschiedenen Gruppierungen wie den Nabis oder den Fauvisten inspirieren. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Marianne von Werefkin pflegte er seit 1897 eine enge Bekanntschaft zu Wassily Kandinsky. Mit ihm und Gabriele Münter verbrachte er in späteren Jahren auch einige Zeit in Murnau, wo mit grosser Wahrscheinlichkeit unser Gemälde entstanden ist. Die rote Wolke gilt als Vorzeigebeispiel für die Landschaften, die er um 1910 kreiert hat: In überragender Weise und mit reduzierten Mitteln ist es ihm gelungen, die Darstellung der Landschaft, der Berge und des Himmels auf den Träger zu bringen. Jawlensky übernahm die von der ihm nahestehenden Gruppierung der Blaue Reiter konzipierte Kunstauffassung, dass es in der Kunst weniger um die getreue Nachahmung der Natur geht, sondern vielmehr um die Darstellung des Inhalts und des Abstrakten. Übrig blieben Werke, die befreit von allen überflüssigen Formen waren und sich stattdessen auf das Nötigste fokussierten. Die Wichtigkeit, die dieses Werk in Jawlenskys OEuvre einnimmt, zeigt sich an der Widmung auf der Rückseite an seine langjährige Freundin, Wegbegleiterin und am Ende auch Pflegerin, Lisa Kümmel. Da er sie erst 1927 kennenlernte, ist anzunehmen, dass sich das Werk bis mindestens zu diesem Zeitpunkt in seinem Besitz befand und er sich dann bewusst für die Weitergabe an Lisa Kümmel entschieden hat.
Alexej von Jawlensky’s Red Cloud painted in 1910 marks the culmination of his creative work. He himself described it in his memoirs as follows: “It was during these years, until the outbreak of the war in 1914, that I painted my most important works ...” At the beginning of his artistic career, Jawlensky – who initially received a classical education under Ilya Repin – was inspired by various groups, such as the Nabis and the Fauves. Together with his partner Marianne von Werefkin, he had been close friends with Wassily Kandinsky since 1897. He also spent some time with him and Gabriele Münter in Murnau in later years, where our painting was most likely created. The Red Cloud is considered a prime example of the landscapes he created around 1910: in an outstanding way and with reduced means, he succeeded in bringing the representation of the landscape, the mountains and the sky onto the canvas. Jawlensky adopted the artistic concept of the Blaue Reiter group, which was close to him, that art is less about the faithful imitation of nature than about the representation of content and the abstract. What remained were works that were freed from all superfluous forms and instead focused on the bare essentials. The importance of this work in Jawlensky’s oeuvre is evident from the dedication on the back to his long-standing friend, companion and, in the end, carer, Lisa Kümmel. Since he only met her in 1927, it can be assumed that he had owned the work at least until that time and then consciously decided to give it to Lisa Kümmel.
Rote Wolke, 1910
Öl auf Karton
unten rechts signiert A. Jawlensky
rückseitig signiert, datiert und bezeichnet A. Jawlensky 1910. Eine rote Wolke für rote schöne Lisa A. Jawlensky.
33 x 42,5 cm
CHF 300'000 – 500'000
Jetzt BietenGeschenk des Künstlers an Lisa Kümmel, Wiesbaden
Privatbesitz, Deutschland (durch Erbschaft)
Auktion Christie’s London, 7.10.1999, Los 59
M. Jawlensky, L. Pieroni-Jawlensky und A. Jawlensky, Alexej von Jawlensky, Catalogue raisonné of the oil paintings, 1890–1914, Vol. I, London, 1991, S. 272, Nr. 348, mit Abb.
Korrektur Printkatalog: Das Bild ist nicht unten links, sondern unten rechts signiert.
Alexej von Jawlenskys 1910 gemalte rote Wolke beschreibt den Kulminationspunkt seines Schaffens. Er selbst hat dies in seinen Memoiren wie folgt festgehalten: «Es war in diesen Jahren, bis zum Ausbruch des Krieges 1914, dass ich meine bedeutendsten Werke gemalt habe …» Jawlensky liess sich zu Beginn seiner künstlerischen Karriere – die zunächst mit einer klassischen Ausbildung bei Ilya Repin begann – von verschiedenen Gruppierungen wie den Nabis oder den Fauvisten inspirieren. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Marianne von Werefkin pflegte er seit 1897 eine enge Bekanntschaft zu Wassily Kandinsky. Mit ihm und Gabriele Münter verbrachte er in späteren Jahren auch einige Zeit in Murnau, wo mit grosser Wahrscheinlichkeit unser Gemälde entstanden ist. Die rote Wolke gilt als Vorzeigebeispiel für die Landschaften, die er um 1910 kreiert hat: In überragender Weise und mit reduzierten Mitteln ist es ihm gelungen, die Darstellung der Landschaft, der Berge und des Himmels auf den Träger zu bringen. Jawlensky übernahm die von der ihm nahestehenden Gruppierung der Blaue Reiter konzipierte Kunstauffassung, dass es in der Kunst weniger um die getreue Nachahmung der Natur geht, sondern vielmehr um die Darstellung des Inhalts und des Abstrakten. Übrig blieben Werke, die befreit von allen überflüssigen Formen waren und sich stattdessen auf das Nötigste fokussierten. Die Wichtigkeit, die dieses Werk in Jawlenskys OEuvre einnimmt, zeigt sich an der Widmung auf der Rückseite an seine langjährige Freundin, Wegbegleiterin und am Ende auch Pflegerin, Lisa Kümmel. Da er sie erst 1927 kennenlernte, ist anzunehmen, dass sich das Werk bis mindestens zu diesem Zeitpunkt in seinem Besitz befand und er sich dann bewusst für die Weitergabe an Lisa Kümmel entschieden hat.
Alexej von Jawlensky’s Red Cloud painted in 1910 marks the culmination of his creative work. He himself described it in his memoirs as follows: “It was during these years, until the outbreak of the war in 1914, that I painted my most important works ...” At the beginning of his artistic career, Jawlensky – who initially received a classical education under Ilya Repin – was inspired by various groups, such as the Nabis and the Fauves. Together with his partner Marianne von Werefkin, he had been close friends with Wassily Kandinsky since 1897. He also spent some time with him and Gabriele Münter in Murnau in later years, where our painting was most likely created. The Red Cloud is considered a prime example of the landscapes he created around 1910: in an outstanding way and with reduced means, he succeeded in bringing the representation of the landscape, the mountains and the sky onto the canvas. Jawlensky adopted the artistic concept of the Blaue Reiter group, which was close to him, that art is less about the faithful imitation of nature than about the representation of content and the abstract. What remained were works that were freed from all superfluous forms and instead focused on the bare essentials. The importance of this work in Jawlensky’s oeuvre is evident from the dedication on the back to his long-standing friend, companion and, in the end, carer, Lisa Kümmel. Since he only met her in 1927, it can be assumed that he had owned the work at least until that time and then consciously decided to give it to Lisa Kümmel.